Das ist die häufigste Frage an uns — und die, auf die am häufigsten unehrlich geantwortet wird. Die richtige Antwort ist keine einzelne Zahl, sondern eine Gleichung mit drei Größen.
Die Gleichung
Lerngeschwindigkeit = (tägliche Lernmenge) × (Regelmäßigkeit der Wiederholung) ÷ (Aussprachehürde bei Ihnen).
Die dritte Größe wird bei Nicht-Arabischsprachigen regelmäßig übersehen: Wer einen Buchstaben mühsam ausspricht, lernt langsamer auswendig, weil die Aufmerksamkeit zuerst bei der Artikulation liegt.
Realistische Zahlen
Dschuz’ ʿAmma (37 kurze Suren): sechs Monate bis ein Jahr, bei einer Seite alle zwei Tage. Fünf Dschuz’: etwa zwei Jahre. Der ganze Koran: drei bis sechs Jahre bei ernsthafter Regelmäßigkeit.
Wer Arabisch noch nicht flüssig liest, rechnet am Anfang sechs bis zwölf Monate für das Lesen hinzu. Das ist keine verlorene Zeit — genau sie verkürzt alles Folgende.
Warum die meisten scheitern
Nicht am Gedächtnis, sondern an der vernachlässigten Wiederholung. Frisch Gelerntes verflüchtigt sich ohne Wiederholung in wenigen Wochen; wer einen Dschuz’ lernt und ihn sechs Monate liegen lässt, braucht die halbe ursprüngliche Zeit, um ihn zurückzuholen.
Die praktische Regel: ein Drittel der Zeit für Neues, zwei Drittel für Altes. In den ersten drei Monaten wirkt sie langsam — danach ist sie unschlagbar.
Reicht eine halbe Stunde täglich?
Ja, wenn sie täglich ist. Dreißig Minuten jeden Tag schlagen drei Stunden am Sonntag deutlich: Das Gedächtnis arbeitet über Häufigkeit, nicht über Menge.