Wer in Deutschland, Österreich oder der Schweiz neu zum Islam gefunden hat, steht vor einem Buch in einer unbekannten Sprache — umgeben von Menschen, die es seit ihrer Kindheit auswendig können. Und stellt sich eine Frage, die man in der Moschee kaum auszusprechen wagt: „Wo fange ich konkret an?“

Hier ist der Plan, den wir empfehlen — an Hunderten Erwachsenen erprobt und bewusst kürzer als das, was Ihnen sonst angeboten wird.

Erster Monat: nur al-Fātiha

Weder das vollständige Alphabet noch ein Lernprogramm. Allein al-Fātiha, weil sie in jeder Gebetseinheit Pflicht ist — Sie sprechen sie also siebzehnmal am Tag.

Sie wird durch Hören und Nachsprechen gelernt, mit Korrektur der Aussprache. Und da sie die meisten schwierigen arabischen Laute enthält, hat man mit ihr das Wesentliche bereits geübt, ohne es zu merken.

Zweiter Monat: die Buchstaben über ihren Laut

Erst jetzt wird die Qaida Nuraniyya aufgeschlagen. Die Reihenfolge ist Absicht: Sie lernen die Buchstaben und wissen bereits, wozu — weil Sie täglich Laute sprechen, die Sie wiedererkennen werden.

Dritter Monat: drei kurze Suren

Al-Ichlās, al-Falaq und an-Nās. Es sind die kürzesten des Korans, sie erlauben Abwechslung im Gebet und vermitteln das erste echte Gefühl von Fortschritt.

Was ohne Bedauern warten darf

Die ausführlichen Tadschwid-Regeln, das Auswendiglernen langer Suren und die arabische Grammatik. All das kommt nach einem Jahr. Zu früh danach zu greifen ist mit Abstand der häufigste Abbruchgrund bei Konvertiten.

Soll ich die Übersetzung lesen?

Ja, in Ihrer Sprache und vom ersten Tag an. Die Übersetzung gibt den Sinn, die Rezitation den Text — zwei verschiedene, einander ergänzende Dinge. Genau ihre Kombination hält die Motivation, solange das arabische Lesen noch langsam ist.

Und die Scham, nichts zu wissen?

Sie ist bei Konvertiten fast durchgängig und verschwindet im Einzelunterricht: Niemand hört mit, niemand vergleicht, und eine zehnmal gestellte Frage bekommt zehn Antworten.

Häufige Fragen

Was lerne ich nach meiner Konversion zuerst?
Im ersten Monat allein al-Fātiha. Sie ist in jeder Gebetseinheit Pflicht und enthält die meisten arabischen Laute — Sie üben die Aussprache also im Vollzug.
Soll ich mit dem Alphabet beginnen?
Nein, erst nach al-Fātiha. Buchstaben zu lernen, während man täglich rezitiert, gibt dem Aufwand sofort Sinn und beugt dem Aufgeben vor.
Wann beginne ich mit Tadschwid?
Nach etwa einem Jahr. Die Regeln vor dem sicheren Lesen zu wollen ist der häufigste Abbruchgrund.
Darf ich den Koran auf Deutsch lesen?
Ja, und zwar ab dem ersten Tag. Die Übersetzung gibt den Sinn, die Rezitation den Text: Beides ergänzt sich und hält die Motivation.
Ich traue mich nicht, in der Moschee zu fragen.
Das ist bei Konvertiten sehr verbreitet. Der Einzelunterricht löst es: Niemand hört mit, niemand vergleicht, und dieselbe Frage darf beliebig oft gestellt werden.