
Die Zakat ist die Pflichtabgabe, die jeder Muslim mit ausreichendem Vermögen einmal im Jahr entrichtet. Sie ist die dritte Säule des Islam, und der Koran nennt sie mehr als fünfundzwanzigmal zusammen mit dem Gebet: „Verrichtet das Gebet und entrichtet die Zakat“ (2:43). Das Gebet ist die Pflicht des Gläubigen gegenüber Gott, die Zakat seine Pflicht gegenüber den Menschen um ihn herum.
Das arabische Wort zakāh bedeutet zugleich „Reinigung“ und „Wachstum“. Der Koran erklärt: „Nimm von ihrem Vermögen eine Abgabe, durch die du sie reinigst und wachsen lässt“ (9:103).
Wer sie zahlen muss
Zakat schuldet der erwachsene, geistig gesunde Muslim, dessen Ersparnisse zwei Bedingungen erfüllen:
- Nisab — eine Mindestgrenze. Für Gold, Bargeld und Ersparnisse legen die meisten heutigen Gelehrten den Wert von 85 Gramm Gold zugrunde; andere den Wert von 595 Gramm Silber, der deutlich niedriger liegt und daher den Armen mehr nützt.
- Hawl — das Vermögen muss ein volles Mondjahr (etwa 354 Tage) lang auf oder über dem Nisab geblieben sein.
Wie viel: die 2,5-%-Regel
Auf Gold, Silber, Bargeld, Bankguthaben und Handelswaren beträgt der Satz ein Vierzigstel, also 2,5 %. Ernte und Vieh haben eigene Sätze (bei Ernten 10 % oder 5 %, je nach Bewässerung).
Ein Rechenbeispiel: Sie besitzen seit einem ganzen Mondjahr 12.000 Euro Ersparnisse, und 85 g Gold sind weniger wert. Ihre Zakat beträgt 12.000 × 2,5 % = 300 Euro. Fiel das Vermögen im Lauf des Jahres unter den Nisab, beginnt das Jahr nach vielen Gelehrten neu, sobald er wieder erreicht ist.
Persönlich Genutztes zählt nicht: Wohnung, Auto, Kleidung, Möbel. Bald fällige Schulden dürfen nach vielen Gelehrten abgezogen werden. Bei komplexen Fällen — Aktien, Altersvorsorge, Lagerbestand, getragener Frauenschmuck (hier sind die Gelehrten uneins) — sollte man einen qualifizierten Gelehrten fragen.
Wer die Zakat erhält
Der Koran nennt acht Gruppen (9:60):
- Die Armen und die Bedürftigen.
- Diejenigen, die mit Sammlung und Verteilung betraut sind.
- Diejenigen, deren Herzen für den Islam gewonnen werden sollen.
- Die Befreiung von Gefangenen.
- Überschuldete.
- Diejenigen, die sich auf dem Weg Gottes einsetzen.
- Der in Not geratene Reisende.
An die eigenen Eltern, Kinder oder den Ehepartner wird keine Zakat gezahlt, da man für ihren Unterhalt ohnehin verantwortlich ist.
Die Zakat al-Fitr ist etwas anderes
Am Ende des Ramadan entrichtet jeder Muslim — Kind wie Erwachsener — die Zakat al-Fitr: eine kleine feste Menge Grundnahrungsmittel (ein Ṣā‘, etwa 2,5–3 kg) oder nach manchen Rechtsschulen ihren Gegenwert, vor dem Festgebet, damit auch die Armen feiern können. Sie ist von der jährlichen Vermögens-Zakat getrennt.
Die Quellen verstehen
Viele begegnen der Zakat zuerst in einer Übersetzung und haben Fragen, die diese nicht beantwortet: Was bedeutet „Nisab“ genau, warum verwenden die Verse gerade diese Worte? Wer den Koran auf Arabisch lesen lernt, und sei es nur ein wenig, erschließt sich diese Texte direkt — und eine qualifizierte Lehrkraft kann die Zakat-Verse beim Lesen erklären.